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Il cocco di mamma

Neues über Italiens Muttersöhnchen

(Autorin: Jutta Lauterbach)

Über mangelnde Aufmerksamkeit brauchen sich Italiens Muttersöhnchen, die Mammoni, nicht zu beklagen. Sie sind Zeitungsberichten zufolge nicht nur bei "Muttern" immer wieder willkommen, sondern auch die Lieblinge der Meinungsforscher.

Mindestens eine Umfrage pro Jahr enthüllt den letzten Trend.

"Du bist nicht wie meine Mama, ich verlasse Dich"

das sagt nach der jüngsten Erhebung jeder fünfte scheidungswillige Ehemann seiner Frau. Untreue rangiert demnach im Land der Latin-Lover erst auf dem zweiten Platz.

Der Grundstein für diese Einstellung mag schon in frühester Kindheit gelegt worden sein. Eine Gruppe von 20 Psychologen erforschte jüngst das Urlaubsverhalten von Müttern aus zehn europäischen Ländern. Ergebnis: Die italienischen Mütter sind mit Abstand die ängstlichsten und Besitz ergreifendsten, was den Nachwuchs anbelangt.

"Flüchtet, so lange es geht", empfiehlt ein italienischer Journalist, der eigenen Angaben zufolge drei Mamme" hat, neben seiner Mutter noch zwei männliche im Beruf.

Italiens Muttersöhnchen werden immer mehr und immer bequemer, ergaben Untersuchungen des Nationalen Rats für Wirtschaft und Arbeit (CNEL). Demnach leben etwa 60 Prozent der Männer im Alter von 25 bis 29 Jahren bei der Mutter, immerhin noch jeder vierte in der Altersgruppe der 30- bis 34-jährigen. Als Gründe nennen die Forscher: Die Wäsche ist sauber, der Kaffee morgens fertig. Im Waschbecken sind keine Haare, der Kühlschrank ist voll.

Auch nach einer gescheiterten Beziehung gibt es laut CNEL für viele Männer nur eine Lösung: zurück zur Mama. "Diese Rückkehr ist nicht traumatisch, vielmehr ganz natürlich, praktisch spontan".

"Die Mutter bleibt der wichtigste Bezugspunkt im Leben der italienischen Männer", folgert die Zeitung "Corriere della Sera" (Mailand) nach einer ähnlichen Umfrage. Selbst im Beruf erfolgreiche Männer wie Lehrer, Bankdirektoren oder Freiberufliche lösten sich nur ungern. Experten sprechen von einer "Großfamilie neuen Typs": Wegen der chronisch niedrigen Geburtenrate bevölkere nicht mehr eine Schar kleiner Kinder das Haus, sondem es seien immer häufiger die "erwachsenen Muttersöhnchen".

Allerdings soll sich laut Expertenmeinung mit der Nesthockerei auch die Mutter-Sohn-Beziehung gründlich verändert haben. "Die italienische Mutter ist nicht mehr die strenge Erzieherin, nicht mehr nur sexfeindlich und repressiv, sondern eine Freundin, eine Vertraute, die Kornplizin des verheirateten Sohnes."

Das deutet auf harte Zeiten für Schwiegertöchter hin. Doch im Oktober soll in der norditalienischen Stadt Reggio Emilia die Schule für Schwiegermütter, ein Projekt der Scheidungsanwältin Paola Mescoli Davoli, ihre Pforten öffnen. Ziel der Kurse ist es, klassische Fehler zu vermeiden helfen, etwa Sätze wie:

"Keiner kann meinem Sohn die Pasta so gut zubereiten wie ich."